Sanierung der östlichen Schildmauer

Bereits 1998 wurde das Büro für Burgenforschung, Dr. Zeune, welches für sensible und denkmalverträgliche Burgsanierungen bekannt ist, vom Förderverein mit der fachlichen Betreuung der Burganlage beauftragt. Neben dem Planen, Vorbereiten und Betreuen einzelner Sanierungsabschnitte, ist eine der Hauptaufgaben des Büros, eine fachlgerechte Sanierungsgrundlage zu erstellen, sowie den fachlichen Konsens mit der Denkmalbehörde herbeizuführen.

Nachdem nun die kontrovers diskutierte Sanierung des Bergfriedes zurückgestellt wurde, war das Wichtigste für 1999, eine Befundung mit anschließender Sanierung der inzwischen stark geschädigten östlichen Schildmauer einzuleiten. Dazu eine ausführliche Baubeschreibung von Dr. Zeune: „Die Schildmauer von Freienfels ist ein burgenkundlich sehr wichtiger und interessanter Baukörper, entstanden in den Jahren um 1300, mit Tendenz frühes 14. Jahrhundert. Die winkelartig ausgeformte Schildmauer bildet eine bauliche Einheit mit dem in ihr Eck integrierten Bergfried und enthält außerdem eine Reihe von Schießscharten der zeitgemäßen Fischschwanzform. Diese Schießscharten liegen z.T. innerhalb eines gewölbten Korridors, der sich um das Südeck der Burg herumzieht, zum Teil aber auch innerhalb von hohen spitzbogig überwölbten Arkadenöffnungen in flachen Schießnischen.

Der frontseitige exponierte Teil der Schildmauer war demzufolge mit einem internen Wehrgang versehen, der auch vom Hof her nicht eingesehen werden konnte. Eine seiner Schießscharten bestreicht sogar den Innenhof, so daß es sich bei dem gedeckten Wehrgang zweifelsohne um ein rein fortifikatorisches Bauelement handelt. Anders verhielt es sich dagegen bei den drei Schießscharten innerhalb der Bogenkonstruktion, die hofeinsichtig ausgeführt waren. Auf ihrer Mauerkrone trug die Schildmauer in beiden Bereichen einen plattengedeckten Wehrgang mit Brustwehr. Nach Norden mündet sie heute in einen später eingezogenen Wohnbau, reichte aber ursprünglich bis fast an den nördlichen Schalenturm, neben dem eine weitere Spitzbogenöffnung erkennbar ist. Die in ihrem Verlauf mehrfach leicht gebrochene Schildmauer hat an der Ostseite eine Länge von 21,5m, eine maximale Höhe von 8m an der nördlichen Schießscharte und von ca. 6,5m am geschlossenen Bereich. Die Mauerdicke beträgt durchgängig ca. 3m.

Zur Zugangsseite nach Süden hin schirmte ein etwa 9m langes Schildmauerstück die Burg ab, gleichfalls versehen mit einem integriertem gewölbten Schießkorridor. Auch hier beträgt die Mauerdicke 3m. Hinsichtlich der baulich – konstruktiven Details stellen die Schießscharten die wichtigsten Befunde dar; sie sind die maßgebenden Planungskriterien.“

Als erste Maßnahme mußte das Mauerwerk durch einen Architekturfotografen mit einer Großkamera maßstäblich durchfotografiert werden. Die Bilder wurden durchgezeichnet (siehe Abb.) und die Schablonen vor Ort befundet.

Nach dem Einrüsten der Schildmauer konnte mit der Sicherung der Mauerkronen begonnen werden. Hierbei trug man alle humosen und losen Bestandteile sorgfälltig ab. Das Aufmauern mit Bruchsteinplatten und anschließenden Verlegen von Schweißbahnen, als Abdeckung, mit gezielter Wasserführung zum Innenhof, waren die nächsten Schritte. Auch Rüstlöcher, die nur noch im Ansatz zu erkennen waren, sowie alle Frostschäden, wurden sauber ausgemauert. Abschließend wurde die Dachpappe wieder mit Erde und einer Grasnarbe bedeckt. Nachdem die Mauerfugen gereinigt waren, konnte zum Schluß mit der Handverfugung, mittels speziellen Mörtels, durch eine Fachfirma begonnen werden.

Paul Schmidt, Jahresrückblick Freienfels 1999